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Alles dreht sich um die Sehne

Die Bogensehne ist neben den Wurfarmen und dem Mittelstück die dritte wesentliche Komponente eines jeden modernen Recurve-Bogens. So steht es im Regelwerk der „World Archery Association“ geschrieben. Ohne Sehne ist selbst der technisch ausgefeilteste Bogen nur ein Haufen Aluminium, Holz, Karbon und Fieberglas.

Die Bogensehne kann auf viele Faktoren des Bogenschießens Einfluss nehmen, von der Performance des Bogens über die Geräusch- und Vibrationskulisse bis hin zur Lebensdauer des gesamten Equipments. Umso wichtiger ist es, dass ihr Setup stimmt und sie mit der richtigen Standhöhe auf dem Bogen angebracht wird.

Bogensehne fertig, was nun?

Damit sich die einzelnen Stränge gleichmäßig ausdehnen können, wird die Sehne „uneingedreht“ auf den Bogen gespannt und über Nacht auf der „Streckbank“ gelassen. Eine andere Option besteht darin, sie mit ein paar Schüssen (ca. 50) aus naher Distanz einzuschießen. Danach wird die Sehne eingedreht, bis die Standhöhe des Bogens halbwegs passt.

Dann erst wird die Mittenwicklung hergestellt. Ist diese auf der Sehne platziert, erneut die Standhöhe checken und gegebenenfalls noch weiter eindrehen, und zwar so, dass die Mittenwicklung mit eingedreht wird. Das ist die Drehrichtung, in die sich die Sehne etwas schwerer eindrehen lässt.

Die richtige „Drehzahl“ einstellen

Die Drehrate (= Drehungen pro Längenheit) kann einen großen Einfluss auf die Performance der Bogensehne haben. Zu wenig eingedreht, klingt sie beim Ablass laut, da die einzelnen Stränge unterschiedlich straff gespannt sind. Dies geht üblicherweise mit ungünstigen Vibrationseffekten einher. Zu viele Drehungen bewirken, dass die Sehne im gespannten Zustand Unebenheiten (Knötchen) ausbildet und sich im entspannten Zustand komplett um die eigene Achse verwickelt.

Sehnentuning materialabhängig

Der Bereich, in dem Bogensehnen funktionieren, ist verhältnismäßig breit und variiert mit dem verwendeten Material. Sehnen mit höherem Vectran-Anteil etwa vertragen mehr Drehungen als jene mit höherem Dyneema-Anteil.

Die Sehne auf einem 68“-Bogen wird mit 20 bis 60 Drehungen funktionieren, vorausgesetzt, dass die korrekte Standhöhe eingestellt ist. Andererseits berichten Experten wie George Tekmitchov, Sr. Engineer & Target Product Manager bei Easton, dass bspw. Simon Fairweather im Jahr 2000, als er die Olympischen Spiele gewann, immer Sehnen mit mindestens 80 (!) Drehungen verwendet hat. Brady Ellison verwendet übrigens zwischen 50 und 70 Drehungen. Je mehr Drehungen, desto „langsamer“ und ruhiger wird die Sehne, sowohl was ihre Lautstärke als auch ihre Vibration nach dem Schuss anbelangt.

Dreifärbige Bogensehne aus B55

Gut ist, was für dich gut ist

Wie viele Drehungen man oder frau in seiner Sehne verwendet, ist, wie so oft beim Bogenschießen, Geschmackssache. Sinnvoll wird ein Wert zwischen 40 und 60 sein, egal ob die Sehne „endlos“ ist oder sie flämisch gespleißt wurde.